Erinnerungskultur am Johannes-Kepler Gymnasium – Gemeinsam Geschichte verstehen, Gegenwart gestalten, Zukunft verantworten
Erinnerungskultur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Bildungsarbeit. Sie ermöglicht es unseren Schülerinnen und Schülern, Geschichte nicht nur zu verstehen, sondern auch ihre Verantwortung für die Zukunft wahrzunehmen. Grundlage unserer Arbeit sind die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz, die den Umgang mit Geschichte, die Werte der Menschenrechte und die Förderung einer demokratischen Haltung betonen.
- Warum Erinnerungskultur?
Geschichte hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und bietet Orientierung in einer global vernetzten Welt. Erinnerungskultur ermöglicht es unseren Schülerinnen und Schülern, historische Ereignisse einzuordnen und zu erkennen, wie diese die heutige Gesellschaft prägen. Wir möchten sie befähigen, Verantwortung zu übernehmen, Empathie zu entwickeln und sich aktiv für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. [1]
- Unsere Grundsätze
1. Individuelles und gesellschaftliches Erinnern fördern
Unsere Schülerinnen und Schüler lernen, sich mit historischen Ereignissen auseinanderzusetzen, verschiedene Perspektiven einzunehmen und zu reflektieren, wie Geschichte geschrieben und hinterfragt wird. Dabei geht es uns nicht nur um das Erinnern an Opfer, sondern auch um die kritische Auseinandersetzung mit Tätern, Widerstandskämpfern und Mitläufern.
2. Kultursensibles und multiperspektivisches Lernen
Unsere Schule ist vielfältig. Deshalb berücksichtigen wir unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Erfahrungen und greifen diese in unserer Auseinandersetzung mit Geschichte auf. Wir betrachten historische Ereignisse nicht nur aus deutscher Sicht, sondern auch aus europäischer und globaler Perspektive.
3. Reflexion, Diskussion und Handeln
Erinnerungskultur ist für uns immer auch eine Einladung zur Reflexion: Wie gehen wir mit der Geschichte um? Welche Lehren ziehen wir daraus für die Zukunft? Unsere Schülerinnen und Schüler sollen lernen, kritisch zu denken, sich zu engagieren und Verantwortung in unserer Gesellschaft zu übernehmen.
- Ein gemeinsames Anliegen
Erinnerungskultur gelingt nur, wenn alle – Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler – zusammenarbeiten. Wir möchten, dass unsere Schülerinnen und Schüler die Bedeutung der Vergangenheit erkennen und sich aktiv für ein respektvolles, demokratisches Miteinander einsetzen.
Wie wir Erinnerungskultur leben:
Unterricht und Projekte
In vielen Fächern – insbesondere im Fach Geschichte, aber auch in Politik-Wirtschaft, Religion, Werte und Normen, Sprachen und Kunst – arbeiten wir zu Themen der Erinnerungskultur. Dies geschieht im regulären Unterricht sowie in fächerübergreifenden Projekten, Projekttagen oder Wettbewerben.
In den vergangenen Jahren waren immer wieder Zeitzeugen am Johannes-Kepler-Gymnasium Garbsen und haben den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in ihre Erlebnisse und in ihre Biografie zu Teil werden lassen. So waren Zeitzeugen zum Nationalsozialismus (u.a. Sally Perel, Ruth Weiss) und zur Geschichte der DDR (u.a. Rainer Eppelmann, Christian Führer, Christoph Wonneberger) am Johannes-Kepler-Gymnasium. Diese „Tradition“ wird auch in kleineren Gruppen Rechnung getragen, sodass auch Zeitzeugen in den Unterricht ab Klasse 10 kommen. Im Rahmen von Gedenktagen hatte die Fachgruppe Geschichte auch Projekttage initiiert, die eine große Öffentlichkeit anzog, da diese auch finanziell von der Stadt Garbsen unterstützt wurden. So trat Stephan Krawczyk mehrfach am Johannes-Kepler-Gymnasium auf und es gab Vorträge von verschiedenen Zeitzeugen.
Besuche an Orten der Erinnerung
Exkursionen zu Gedenkstätten sind fest in unserem Schulprofil verankert. Sie ermöglichen intensive Begegnungen mit Geschichte und fördern eigenständige Recherche sowie kritisches Nachfragen.
I. Gedenkstätte Bergen-Belsen
Das KZ Bergen-Belsen ist das Hauptlager, welches von Garbsen aus am schnellsten mit dem Bus zu erreichen ist. Daher versucht das Johannes-Kepler-Gymnasium auch diesen Ort des historischen Erinnerns mit den Schülerinnen und Schülern des 10. regelmäßig zu besuchen. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Vermittlung von Wissen über das Lagersystem und das Leiden der Inhaftierten. Die gebuchten Führungen werden von Museumspädagogen bzw. Lehrkräften anderer Schulen begleitet. Da die Gedenkstätte häufig ausgebucht ist, kann ein solcher Besuch nicht regelmäßig ausgeführt werden bzw. findet nachmittags statt. Der Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen wird durch das Land Niedersachsen gefördert.
II. Fahrt nach Krakau/Auschwitz
Die Fahrt nach Krakau und somit nach Auschwitz erfolgt aller 2 Jahre in der Aktionswoche. Geplant ist die Fahrt immer in den geraden Jahren (2022,2024,2026). Diese Fahrt richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die ihr Wissen über die Verfolgung der Juden und den Umgang mit der polnischen Bevölkerung erweitern wollen. Es könne maximal 50 Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 bis 12 an der Fahrt teilnehmen. Begleitet wird die Fahrt von 4 Kolleginnen und Kollegen. Im Rahmen der Fahrt werden das Lager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Es findet außerdem eine Führung durch die Altstadt von Krakau und das jüdische Viertel / Getto statt. Des Weiteren wird auch die sogenannte Schindlerfabrik besucht und die Geschichte der ehemaligen polnischen Hauptstadt in der Festung Wawel nachvollzogen.
Kooperationen mit außerschulischen Partnern
Wir arbeiten regelmäßig mit Gedenkstätten, Stiftungen, Vereinen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammen. Diese Kooperationen erweitern Perspektiven und bringen authentische Erfahrungen in unsere Schule.
I. Gedenkstätte Ahlem
Die Gedenkstätte Ahlem stellt ein Bildungsangebot der Region Hannover dar. Bei diesem langjährigen Kooperationspartner der Schule wird jüdisches Leben in Hannover dargestellt. Der Schwerpunkt der Schule liegt neben der Entwicklung jüdischen Lebens in der ehemaligen Gartenbauschule vor allem in der Zeit, als diese zum letzten Zufluchtsort bzw. später zur Gestapo-Zentrale wurde. “Ahlem als Ort der Verfolgung“ richtet sich vorrangig an die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts wird am Ende des 1. Halbjahres ein solcher Besuch angestrebt.
Des Weiteren hat das Johannes-Kepler-Gymnasium die Aufgabe übernommen, den Gedenktag für die Opfer von Zwangsarbeit am 22. März zu übernehmen. In diesem Rahmen wird dieser Tag von einer Klasse des 10. Jahrgangs vorbereitet. Nach einer Einführungsveranstaltung in Ahlem kommen die Pädagogen der Gedenkstätte zu regelmäßigen Besuchen in die Schule. Es entstehen dabei u.a. Videobeiträge, Podcasts und Tanzaufführungen, die sich mit Zwangsarbeit auseinandersetzen. Ein Schwerpunkt dabei ist die Regionalgeschichte, in der Zwangsarbeit in Garbsen und näherer Umgebung untersucht wird. Am 22. März werden dies Projekte dann in der Gedenkstätte vorgestellt.
II. ZeitZentrum Zivilcourage
Das ZeitZentrum Zivilcourage ist ein interaktiver Lernort zur hannoverschen Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus und ein offener Diskussionsraum für Zivilcourage. Im Rahmen von Workshops wird im Fach Geschichte in Klasse 9 anhand von Biographien verschiedener Hannoveranerinnen und Hannoveranern vermittelt. Schwerpunkt dabei stellt die Frage dar, warum beteiligten sich Menschen an der nationalsozialistischen Ideologie und Herrschaft, während andere dies ablehnten und sogar in den Widerstand gegen diesen gingen. Auch aktuelle Beispiele (z.B. Bex) werden im Zeitzentrum zur politisch-historischen Bildung herangezogen.
Ferner haben Schülerinnen und Schüler der Prüfungskurse im Fach Geschichte die Möglichkeit thematische Workshops zu besuchen, die regelmäßig auch zu den verpflichtenden Themen der Qualifikationsphase angeboten werden.
Darüber hinaus bieten wir im Rahmen der Kooperation regelmäßige Angebote im Bereich der Erinnerungskultur an, so z.B. eine Filmvorführung von Truus children mit anschließender Diskussion mit den Regisseurinnen
Quellenangaben
[1] https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2014/2014_12_11-Empfehlung-Erinnerungskultur.pdf
| Herr André Kügler, OStR (Küg) | |
| Geschichte, Politik-Wirtschaft Aufgaben: | |
| Herr Dr. Andreas Lemke, StD (Lmk) | |
| Englisch, Geschichte Aufgaben: | |



