„Man muss doch auch mal was sagen dürfen, wenn man was auf dem Herzen hat.“ An diesem Zitat des Liedermachers, der in der DDR Berufsverbot erhielt und letztlich ausgewiesen wurde, zeigt sich der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, den Krawcyk am 8. November im Rahmen des Projekttages „30 Jahre Mauerfall“ am Johannes-Kepler-Gymnasiums spannte.
Eindrucksvoll ließen seine Lieder und Erzählungen den Dissidentenblick auf die DDR im Forum das Gymnasiums aufleben – die Freiheitssehnsucht, die an den Schranken der bürokratischen Kontrolle endete – die Paradoxie aus Friedensrhetorik und Kriegsspielzeug in der staatlichen Kinderbetreuung – die individuelle Entrechtung, die auf Zuwiderhandeln und Nonkonformität folgte. Emotionale Einblicke des in die Freiheit gelangten, aber seiner Heimat beraubten Künstlers ließen die widersprüchlichen Gefühlslagen spürbar werden, die ein Leben im geteilten Deutschland produzieren konnte.
Zugleich aber erschöpft sich das künstlerische Verständnis Krawcyks nicht in der Rolle der Zeitzeugenschaft. Immer wieder bespiegelte er, teils mit früheren Liedern seiner Dissidentenzeit, auch die Widersprüche der Gegenwart. Und so wies er wortgewandt auf die Wahrnehmungssperren der Digitalisierung hin, die übermäßige Polarisierung der Gesellschaft und den „faulen Zauber der Ästhetikterroristen“. Anstatt dem vielfältigen Druck der Gesellschaft nachzugeben und ihrer, auch unbewussten Kräfte, empfahl Krawcyk an diesem Abend immer wieder die Suche nach einem authentischen Leben, nach Achtung, Anerkennung – und Liebe.



