"Wir wissen, wo es hin geht. Wir wissen, was dort geschah. Mit den Erkenntnissen, die wir hatten, betraten wir Ausschwitz. Einige von uns mit dem Ziel, die Taten der Vergangenheit zu verstehen und andere, um darüber zu erfahren. Ausschwitz, ein Vernichtungslager, dass von 1940-1945 ein Ort von Qualen und schrecklichsten Verbrechen an den Menschheit war. Ein Ort, dessen Bäume Zeugen wurden von den Unmenschlichkeiten. Wir betraten das Grundstück durch das Tor, durch den Bogen hindurch. „Arbeit macht Frei“ schwebt über uns, noch das Original, aus Rohstoffen gefertigt, steht schweigend in der Luft.
"Arbeit macht Frei", was für eine fürchterliche Ironie. Doch wenn ich mir den Spruch genauer angucke, sehe ich eine Wahrheit in ihm, denn Arbeit macht frei. Macht. Das Streben nach Macht ist der Ursprung der Qualen, die Trophäe der Täter. Die Bilder, die sich uns darlegen, dass was ich wahrnehme, sorgt dafür, dass mir übel wird. Denn es ist nicht wie in den Filmen, die wir alle kennen. Es ist keine Atmosphäre des Grauens, die mir begegnet. Es ist ein Ort der Ruhe, beinah friedlich. Bis auf die vorhandenen Gebäude sehe ich nichts, nichts, von den Taten, die an diesem Ort vor ungefähr 80 Jahren geschahen. Durch die Straßen werden wir geführt, die Straßen, auf denen viele Menschen vor meiner Zeit ihr Leben gelassen haben, doch in mir regt sich nichts. Meine Gedanken drehen sich um das schöne Wetter. Aber weshalb? Versucht mein Kopf mich abzulenken? Möchte mein Unterbewusstsein mich vor der Wahrheit schützen? Oder bin ich einfach respektlos? Das ist der Gedanke, der mich immer noch verfolgt. Ist es eine Untat, bei dem Betreten dieses Ortes nicht zu weinen, keine Qualen zu verspüren? Ich weiß es nicht. Die Tränen, die bei mir nicht kamen, die nicht über mein Gesicht strömten als wir vorbei geführt wurden, vorbei an den Beweisen, die ich sehen wollte, die, von denen ich mir wünschte, sie würden mich alles wahrhaftig realisieren lassen. Kinder, Schuhe, riesige Berge an Haaren, an Utensilien, die verwendet wurden. Doch meine Gedanken schweigen. Das einzige, was ich wahrnehme, ist die Stimme der Sprecherin in meinem Ohr, das Gedränge der Personen hinter mir, die versuchen, ebenfalls einen Blick auf das zu erhaschen, was ich und die Personen vor mir sahen. Sind das vielleicht die Auslöser, die Gründe, weshalb meine Wangen immer noch trocken sind?
Mit diesem Text verarbeite ich das, was ich sah, oder noch besser, das, was ich nicht sah.
Stets war ich auf der Suche nach Gerüchen, nach Blutspritzern, nach Einschüssen in den Holzdielen vor uns, auf der Suche nach einem weiteren Tor, das mich in die Vergangenheit blicken lässt. Aber nichts fällt mir auf, nirgends nehme ich eine solche Sache wahr. Nirgends wird mir der Wunsch erfüllt, den, den ich in mir trage, um mein Über-Ich endlich begreifen zu lassen, an welchem Ort wir sind. Oder wer ist es, der mir die Sicht vernebelt? Mein Mitleid? Mein Unterbewusstsein? Meine Angst vor anderen Personen zu weinen? Schwach auszusehen? Aber was für Probleme sind das schon, Probleme, die es nicht gab, als der Ort, an dem ich stehe, noch aktiv war. Hunger und Tod waren der Alltag, beinahe als sei das Leid eine wahre Person, eine sich zu jedem der Menschen, die im Lager wenige Sekunden existierten, kuschelnde Decke. Eine, die niemand haben wollte, eine, die niemand verdient hatte. Ausschwitz-Birkenau. Halt Nummer zwei. Der Lehrer warnt uns vor. Die Eindrücke, die wir jetzt bekommen würden, wären noch schlimmer als die, die wir bereits erhalten haben. Doch, was soll schlimmer sein als in einem Keller zu stehen, in dem viele Männer, Frauen, Alte und Kinder verhungerten? Ihre Exkremente, die Ratten; Das Einzige, was ihnen Gesellschaft leistete. Wir reden von Personen wie du und ich. Mit Träumen, mit Hoffnungen, mit Schmerzen. Der erste Schritt, den ich in das noch viel weitläufigere Lager mache, ist jedoch so wie der Lehrer bereits sagte, eine größere Belastung als die Eindrücke des Stammlagers.
Die Schienen, diese Schienen. Das Tor, dieses Tor."
Verfasst von Kim-Michelle Schmidt, Jahrgang 12





