I. Thematische Schwerpunkte
1. Lernfeld: Theoretische Philosophie
Erkenntnistheorie:
In dieser zentralen philosophischen Disziplin befassen wir uns u. a. mit Erkenntnistheorien, welche der Frage nachgehen, wie der Mensch zu Wissen über die Welt gelangt und wie sein Erkenntnisapparat funktioniert. Hier geht es vordergründig darum, zu erklären, wie man sich den menschlichen Erkenntnisprozess vorzustellen hat, was aber sinngemäß mit der Kantischen Frage "Was kann ich wissen?" gemeint ist. Kant fragt genauer nach den Bedingungen menschlicher Erkenntnisfähigkeit.
Des Weiteren befassen wir uns mit der menschlichen Sprache als maßgeblichem Erkenntnisinstrument und leuchten die Möglichkeiten und Grenzen dieses Mediums aus. Zudem werden Wahrheitstheorien thematisiert, um den Wahrheitsbegriff in seinen Facetten auszuleuchten. Hier gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Kriterien, wann eine Aussage als wahr angesehen werden kann.
Daran anknüpfend lassen sich Aussagen auf ihren logischen Gehalt hin untersuchen, was dann in den Bereich der Aussagenlogik fällt: Wann kann eine Behauptung Gültigkeit beanspruchen und in welchem Fall nicht? Dabei machen wir uns auch mit verschiedenen Spielarten des Syllogismus vertraut, die für das philosophische Argumentieren von bedeutsam sind.
2. Lernfeld: Praktische Philosophie
Moralphilosophie:
In der Moralphilosophie drückt sich unser Erkenntnisinteresse durch die Leitfrage "Was bedeutet es, im Leben gut zu handeln?” aus. Der Alltag steckt voller Entscheidungsfälle, die nach einem inneren Kompass verlangen, um sich auf dem moralischen Glatteis möglicher Problemstellungen und Dilemmata sicherer bewegen zu können. Doch was kann uns dabei ein nützlicher Maßstab sein? Hier gilt es, sich vorweg über fachspezifische Grundbegriffe zu verständigen und ihre Beziehung aufzuschlüsseln: Was ist z. B. "Moral", was "Ethik", was sind "Werte" und "Normen"? Was meinen wir vor allem damit, wenn wir von einer Handlung sagen, dass sie "gut" sei? Es geht kurzum darum, sein moralisches Vokabular zu schärfen.
Noch grundlegender geht es in diesem Themenfeld darum, die moralischen Implikationen in verschiedenen Handlungsszenarien erkennen und sich dadurch überhaupt erst angemessen dazu verhalten zu können, d. i. einen reflektierten Standpunkt in relevanten Moralfragen zu beziehen. Das moralisch Gebotene zu tun, ist untrennbar damit verbunden, zuallererst erkennen zu können, was wirklich Fakt ist. Jede noch so gründliche Rechtfertigung muss an der Sache vorbeigehen, wenn diese nicht hinreichend erfasst wurde. Wissen, was zu tun ist, beginnt mit dem Wissen darum, womit man es zu tun hat. Nach Aristoteles zumindest ist die Unwissenheit die Quelle allen Unrechts. —
Hilfestellung leistet hierbei die Auseinandersetzung mit klassischer Positionen aus der Philosophiegeschichte, die in der Anwendung auf anschauliche Fallbeispiele wie z. B. das Trolley-Dilemma auf ihre Überzeugungskraft geprüft und diskutiert werden. Im gemeinschaftlichen Diskurs sollen Antworten auf die von Kant formulierte Frage "Was soll ich tun?" entwickelt werden, die von einer überzeugenden Argumentation bzw. Rechtfertigung gestützt werden.
Anthropologie:
In der Anthropologie gilt das Erkenntnisinteresse ganz dem Menschen selbst. In diesemepistemologischen Spezialfall, in welchem er Subjekt und Objekt zugleich ist, wird der Versuch unternommen, sich über das eigene Wesen Gewissheit zu verschaffen, also darüber zu verständigen, als was wir uns eigentlich begreifen wollen. Hierbei steht eine Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten zur Diskussion, die es zu beleuchten gilt. Für diese Selbst- Bestimmung werden unterschiedliche Menschenbilder auf Ihre Überzeugungskraft hin untersucht und kritisch diskutiert: Haben wir eine Sonderstellung vor den Tieren? Sind wir göttlichen Ursprungs oder Mängelwesen? Sind wir Tiere? Oder gar Maschinen, künftige Roboter-Mensch-Hybride? Welche Rolle spielen Kulturleistungen und -techniken, soziale Interaktion und Institutionen wie z. B. Schulen, Vereine, Firmen etc.? Sind wir echte Individuen und haben wir einen freien Willen? Diese und weitere Fragen zur Selbstvergewisserung über unser Menschsein nehmen wir im Unterricht in Augenschein.
Staatsphilosophie:
Staatsphilosophie ist diejenige philosophische Disziplin, die ihr Frageinteresse unter anderem darauf richtet, wer in einem Staat herrschen soll oder wie ein solcher idealerweise organisiert ist. Was ist die bestmögliche Verfassung und wie lässt sich ein Staat vertragstheoretisch legitimieren? Welcher Stellenwert kommt der Mitbestimmung, Gerechtigkeit oder Friedensordnung innerhalb eines solchen gesellschaftlichen Apparates zu? Und überhaupt: Wodurch sahen sich Menschen überhaupt veranlasst, ein solch ausdifferenziertes Wesen neamnes “Staat” zu gründen und welche alternativen Gemeinschaftsformen pflegten sie zuvor miteinander?Wir machen uns gemeinsam auf die Suche, welche tieferen Sinnstrukturen und Funktionen sich hinter dem abstrakten Begriff des Staates verbergen. Dabei wird auch das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft und ihren unterschiedlichen Interessen in den Fokus genommen.
In einer in die Lebenspraxis verlängerten Betrachtung wirft dies stets auch die klassische Frage nach dem guten Leben auf, oder nachhaltig formuliert: “Was braucht es, um unsere Zukunft als Menschheit lebenswert zu gestalten?”
II. Implementierung einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE):
Als Beitrag zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung berücksichtigen wir beim Philosophieren auch solche Kompetenzen, praktischen Maßnahmen und Inhalte, die dazu beitragen, unser Denken und Handeln so miteinander zu verbinden, dass sich unser Kennen im Können bewährt.
Über einen Lebensweltbezug mit Problemorientierung hinausgehend soll der Unterricht Gelegenheiten bieten, ganzheitlich, mitunter an außerschulischen Lernorten zu lernen und sich regional durch soziales Engagement oder in nachhaltigen Projekten zu erproben. Für die Bewältigung einer von herausfordernden Problemlagen und multiplen Krisen geprägten Zukunft bedarf es unbedingt einer Vernunft, die sich darauf versteht, auch praktisch wirksam zu werden.
Derlei BNE-Bezüge sind im schulinternen Lehrplan für die Einführungsphase in Jahrgang 11 ausgewiesen.