„Waza-ari“, ruft der Schiedsrichter und hebt den Arm – eine halbe Wertung. Wenn Lukas seinen Gegner nach diesem Wurf noch 20 Sekunden am Boden festhalten kann, wird daraus eine ganze – und der Kampf wäre sofort gewonnen. „Halten, halten, … HAALTEN!“, donnert deshalb Ronalds Stimme quer durch Halle. Lukas kämpft sich an den Armen seines Kontrahenten vorbei, findet seinen Haltegriff und drückt seinen Gegner auf die Matte. Doch dieser wehrt sich vehement, klammert sich an Lukas‘ Schulter und versucht ihn zu drehen. 20 lange Sekunden stehen den Kontrahenten bevor– jetzt geht es um Kraft!
Was hier passiert? Diese Szene ereignete sich auf dem Judo-Landesentscheid Niedersachsens im Rahmen des Schulsportwettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“. Dieses Jahr erstmalig vertreten: Das JKG – und zwar gleich mit zwei Teams: Hanna Lorchheim (5b), Charlie Brandt (8a), ClaireBalin (9b) und Anasstasia Khitarishvili (10d) kämpften für die U16-Mädchen-Mannschaft. Luc Balin (6b), Lukas Riedlund Jannis Himmelmann (beide 8b), Tim Schmidt und Anwar Barri (beide 8c) sowie Richi Gebel (9c) für die U16-Jungen. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Schulen Niedersachsens (darunter der Angstgegner Braunschweig) ringen beide Teams um den Einzug ins Bundesfinale in Berlin.Die Bedingungen sind in unserem ersten Jahr erschwert: Da das JKG nicht alle Gewichtsklassen besetzen konnte, gehen beide Teams in jede Begegnung mit einem 0-2 Rückstand. Ein Sieg ist nur möglich, wenn alle durchgeführten Kämpfe gewonnen werden – oder durch besondere Leistungen in der Unterwertung.
Noch zehn Sekunden. „Noch 10, Lukas, das schaffst du!“, Ronald wird langsam heiser. Plötzlich wechselt Lukas‘ Gegner seine Strategie, drückt in die andere Richtung, seine Schulter hebt vom Boden ab und er versucht, sich aus dem Haltegriffzu winden. „Die Schulter, DIE SCHULTER!“, Ronald kann nur noch krächzen. Die Uhr läuft: noch 9, 8, …
Sind auf dem Turnier Garbsener Tränen geflossen? Ja. Hat man sich über die Schiedsrichter beschwert? Selbstverständlich. Aber: Neben vielen spannenden Kämpfen gab es auch zahlreiche Erfolgserlebnisse, so konnte das JKG gleich mehrere „Ippons“ erzielen, also Würfe, die kraftvoll, schnell und kontrolliert ausgeführt werden, sodass der Kampf unmittelbar gewonnen ist.
„Ippon!“, meldet jetzt auch der Schiedsrichter, die 20 Sekunden sind vorbei. Volle Wertung: Lukas hat sich den Sieg erkämpft! Die JKG-Ecke springt auf die Bänke und jubelt, Herr Nisse holt hörbar tief Luft – und merkt erst jetzt, dass er sie die ganze Zeit angehalten hat. Was für ein Kampf! Ganz wichtig danach: Dem Gegenüber aufhelfen, Verbeugung und Handshake; Fairplay wird hier großgeschrieben.
Für Berlin reichte es am Ende zwar leider nicht. Die Jungssicherten sich aber einen starken 3. Platz und somit einen Platz auf dem Siegerpodest. Die Mädchen verfehlten das Treppchen knapp und landeten am Ende auf einem hart umkämpften 4. Platz. Wer weiß – vielleicht geht er ja nächstes Jahr in Erfüllung, der Traum vom Bundesfinale?
An dieser Stelle gilt – neben allen teilnehmenden Judoka – ein besonderer Dank Can Varlik und Ronald Gebel, die uns an diesem Tag als Coaches tatkräftig unterstützten!





