Am Montag, dem 11.03.2019, war es für uns endlich soweit. Wir Schüler aus den Jahrgängen 10 und 11 machten uns gemeinsam mit Herrn Kügler, Frau Suwala und Frau Stoll um 6:45 Uhr auf den Weg nach Polen. Genauer gesagt sollte es nach Krakau gehen.
Bereits Monate vorher hatte die Vorarbeit für die Fahrt begonnen. Alle zwei bis drei Wochen trafen wir uns freitags in der 4. Doppelstunde, um nicht nur Organisatorisches zu klären, sondern vor allem, um uns mental vorzubereiten. Der Fokus der Fahrt sollte nämlich auf der Besichtigung des Konzentrationslagers Auschwitz liegen.
Nach einer anstrengenden Fahrt kamen wir gegen 18:30 Uhr am „Good Bye Lenin Pub & Garden Hostel“ in Krakau an, welches nur 1,2km vom Stadtzentrum entfernt liegt. Nachdem wir ausgepackt und unsere Betten bezogen hatten, ging es dann gemeinsam zu einem Restaurant ganz in der Nähe: dem „Restauracja Bazylia“. Dieses Restaurant wurde künftig fester Bestandteil unseres Alltags in Polen. Hier ließen wir zusammen beim Probieren von polnischen Spezialitäten den Tag ausklingen.
So startete der nächste Tag schon sehr aktiv. Gemeinsam mit einem Guide erkundeten wir die Krakauer Innenstadt, die sich uns in Form einer wunderschönen Kombination aus Altem und Modernem offenbarte. Besonders die Wawel-Kathedrale, die wichtigste Kirche Polens, war ein Paradebeispiel für architektonische Vielfalt und Ästhetik, die sich dem Besucher bot. Hier wurden nicht nur sämtliche Könige gekrönt, sondern auch beachtlich viele beigesetzt, wie man uns erzählte.
Am selben Tag noch bekamen wir die Möglichkeit, die ehemalige Emailwarenfabrik von Oskar Schindler zu besichtigen. Unglaublich anschaulich wurde hier nicht nur, mit was für Ängsten, sondern vor allem auch mit was für Gefahren Juden damals in Polen zu kämpfen hatten. Hunderte von ihnen bewahrte Oskar Schindler vor der Ermordung in Konzentrationslagern, etwa in Auschwitz, indem er sie bei sich einstellte.
Am Mittwoch, dem darauffolgenden Tag, wurde dann an dieselbe Thematik angeknüpft. Wir besichtigten das ehemalige Krakauer Ghetto und somit auch das Judenviertel. Von dem neuerlangtem Wissen wurde noch am gleichen Tag Gebrauch gemacht, da wir ins rund 60 Kilometer entfernte Auschwitz fuhren. Zum ersten Mal standen wir vor dem berühmt-berüchtigten „Arbeit macht frei“-Tor im Konzentrationslager Auschwitz 1 (Stammlager).
Man brachte uns in zwei getrennten Gruppen näher, auf was für einem Boden wir uns befanden. Auch wenn man sich entweder im Unterricht oder in sämtlichen AG-Treffen wichtige Informationen angeeignet hatte, war man trotzdem teils geschockt, wie viel Unbekanntes es gab. In einzelnen Ausstellungsräumen, die sich in den Häusern (Blöcken) auf dem Gelände selbst befanden, wurden einem Einzelschicksale näher gebracht. Allerdings wurde einem auch hier erst wirklich bewusst, wie viele Opfer es allein im Stammlager gegeben hatte, nachdem man hunderte Brillen, Kinderschuhe oder menschliches Haar aufgetürmt vor sich sah. Einige weinten darauffolgend.
So kamen wir am Donnerstag, dem letzten Tag vor der Abreise zum eigentlichen Ziel unserer Fahrt: dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Auf dem ca. 40 Quadratkilometer großen Areal schauten wir uns sämtliche Baracken, die Rampe, an der die Selektionen stattfanden, die Ruinen der Krematorien und die „Sauna“ an.
Insbesondere in der Sauna blieb einem der Atem stehen. Hier rasierte man Inhaftierten die Haare unter dem Tarnmantel ab, dass dies zur Reinigung und Befreiung von Läusen beitragen sollte. In Wirklichkeit diente dies der Entmenschlichung und Demoralisierung. Der Mensch als solcher war nun nichts weiter als die Nummer, die man ihm tätowiert hatte. Dieses Wissen machte den letzten Raum in der Sauna umso bedeutungsvoller und schwerer erträglich: hier waren sämtliche Fotos, die die Inhaftierten als Erinnerung- und in der Hoffnung auf ein neues Leben mit sich genommen hatten, an mehreren Wänden aufgehängt worden. Fotos von Kindern, Hochzeiten und engen Freundschaften: Zeugnisse von Unbeschwertheit. Momente, für die Ewigkeit eingefroren.
So lässt sich als Fazit sagen, dass die Fahrt nach Polen, insbesondere nach Auschwitz, eine lebensverändernde Erfahrung war. Sie war einerseits von lustigen Momenten im Hostel, Bus oder Restaurant, aber eben auch sehr düsteren und nachdenklichen Momenten in dem ehemaligen Ghetto, dem Stammlager und vor allem dem Vernichtungslager geprägt.
Wir lernten, wie wichtig es besonders für junge Menschen ist, an solche historisch relevanten Orte zu fahren. Es muss stetig und immer wieder aufs Neue an die Gräueltaten der Nazis erinnert werden, damit die Muster des Verbrechens bekannt sind und diese bei Wiederkehr in der Gegenwart erkannt werden.
Marta, die Dame, die uns durch Auschwitz-Birkenau geleitete, beendete ihre Führung mit dem Zitat eines ehemaligen Inhaftierten: ,,Es gibt etwas, das schlimmer ist, als das was hier in Auschwitz passiert ist. Und zwar wenn in Vergessenheit gerät, was hier geschehen ist.“
Emma Röttger, Klasse 10d








