Durch die Wiedereinführung von G9 sind die Schüler wieder ein Jahr länger an der Schule. Aus diesem Grunde haben wir am JKG schon vor über einem Jahr die Wiedereinführung der traditionellen Berlinfahrt beschlossen. Wir entschieden uns damals bewusst für eine individuelle Klassenfahrt in unterschiedliche Hostels schon zu Beginn des Schuljahres, um das Zusammenwachsen innerhalb der Klasse zu stärken und das ganze Schuljahr von dem gestärten Wir-Gefühl zu profitieren. Einige Aktivitäten unternahmen alle vier elften Klassen zusammen, das meiste wurde aber klassenintern unternommen.
Am Freitag den 14. September 2018 sind nun 81 Schüler und 8 Kollegen um 16 Uhr nach fünf Tagen mit vielen Eindrücken begeistert zurück gekehrt. Natürlich waren wir im Bundestag und konnten z.T. eine spannende Haushaltsdebatte verfolgen, in der z.B. Martin Schulz eine brennende Rede zur Bedeutung der Demokratie hielt, da die AFD die Chemnitz-Ausschreitungen für sich nutzte.
Wir erlebten auch interessante Einblicke in das Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, unmenschlich und totalitär waren die Stasi-Methoden, so versuchte man z.B. die Insassen schon dadurch zu zermürben, indem man ihnen jegliche Orientierung nahm, Zimmernummern waren willkürlich und wiederholten sich – man „lebte“ in einer Art Zwischenwelt ohne Leitplanken. Sport war in diesem Gefängnis untersagt, man wollte keine fitten Insassen.
Auf dem Alex sahen wir Berlin bei Nacht aus zweihundert Metern Höhe, am nächsten Tag durften wir dann bei strahlendem Sonnenschein auf der Spree schippern und die Museumsinselgebäude und die Büros der Abgeordneten sehen. Wir sahen über der Spree eine doppelstöckige Fußgängerbrücke, die zwei Abgeordnetenbürohäuser verbindet – im Berliner Volksmund soll diese Brücke die „obere Beamtenlaufbahn“ heißen, erklärte der Kaptain des Spreekahns.
Am Mittwochabend feierten wir schließlich zusammen im Matrix-Club-Berlin mit rund vierzig anderen Klassen aus ganz Deutschland, dies war ein ganz normaler Club und kein schäbigen Jugendherbergspartyraum mit dreifarbiger Lichtanlage und Kasettendeck. Am letzten Tag stand dann noch die Stadtführung auf dem Programm, von den Schülern schon sehnlichst erwartet.
Soweit das Rahmenprogramm.
Die einzelnen Klassen besuchten in der Zwischzeit Museen – gut angekommen ist hier das Völkerkundemuseum mit den riesigen Dinosaurierskeletten -, den Berliner Untergrund, die Showbuiz-Größen aus Wachs bei Madame Tussands, die East-Side-Gallery und natürlich den Checkpoint Charly. Wir Lehrer stellten fest, dass die Bedeutung und dewr Irrsinn der Mauer nach 29 Jahren Wiedervereinigung für die Schüler nicht mehr nachvollziehbar ist. Am Checkpoint-Charly startete bei uns Kollegen das Kopfkino. Wir Kollegen sahen den verbildlichten Ost-West-Konflikt mit Panzern, Ideologie-Gegensätzen, totaler Trennung und viel Leid vor uns, die Schüler sahen nur eine normale Straße in einer modernen Häuserschlucht mit einer Bude in der Mitte, vor der Touristen mit US-Militärs Selfies machten.
Bis zum nächsten Mal dickes B.








